Hommage unter Strom

MG Motors hat einen Roadster in bester Design-Tradition herausgebracht. Mit einem komfortablen Verdeck, Scherenstatt Klapptüren und Elektro-Antrieb für den Fahrspass. Text Ulrich Safferling | Fotos T. Barth, U. Safferling Wäre […]

MG Motors hat einen Roadster in bester Design-Tradition herausgebracht. Mit einem komfortablen Verdeck, Scherenstatt Klapptüren und Elektro-Antrieb für den Fahrspass.

Text Ulrich Safferling | Fotos T. Barth, U. Safferling

Publireportage Hommage unter StromWäre da nicht an der Front das berühmte Oktogon, das Markenzeichen von MG, man würde die beiden Roadster nicht zur selben Familie zählen. Während der MG A wie von Hand modelliert aussieht, sehen die Kanten des MG Cyberster aus wie mit dem Messer geschnitten. Fast wie ein Raumschiff wirkt der moderne Roadster neben seinem klassischen Vorfahren mit hochgezogenen Kotflügeln und Rundscheinwerfern. Kann, darf, soll man die beiden überhaupt miteinander vergleichen? Moment. Diese Idee hatte MG Motors selbst. Nicht um Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sondern um an die Tradition zu erinnern. «Ein bemerkenswerter, vollelektrischer Roadster, der so aufregend zu sein verspricht wie die MG Sportwagen in der Vergangenheit» – schreibt MG-Designdirektor Carl Gotham auf der Webseite. Wobei es sich dabei nicht mehr um die «Morris Garage» (MG) handelt, welche vor 100 Jahren in Oxford gegründet wurde, sondern um die Marke, die nach der Insolvenz 2005 heute zu SAIC Motor aus Shanghai gehört.

Asien und britische Tradition? Man darf ja fragen, seitdem Hong – kong keine britische Kronkolonie mehr ist. Und ja, die Chinesen haben sich ihre neue Marke nicht nur angeschaut, sondern sie auch verstanden – und deshalb zum 100. Marken-Geburtstag diesen Roadster in MG-Tradition vorgestellt. Das ist nicht nur aller Ehren wert, sondern sogar mutig, denn ausser dem Mazda MX-5 gibt es bei Volumenmarken kaum noch solch emotionale Modelle im Portfolio. «Der Fokus für den Cyberster lag darauf, ein Design zu entwerfen, das die glanzvolle Vergangenheit der Marke respektiert und die sportliche Ahnenreihe wieder aufleben lässt, während gleichzeitig absolut klar ist, dass er modern und zukunftsorientiert sein sollte», sagt Designchef Gotham.

Publireportage Hommage unter StromBevor jetzt MG-Clubs ein chinesisches Feuerwerk abbrennen, noch der zarte Hinweis, dass «zukunftsorientiert» hier bedeutet, mit einem, beim Allradantrieb sogar mit zwei Elektromotoren unterm Blech unterwegs zu sein. Da reisst die Tradition, aber wer wollte es den Shanghaiern verdenken, dass sie ihre modernste Technologie verbauen. Alte Fahrzeugklasse mit neuer Technik – funktioniert das? Technisch in jedem Fall, preislich auch, denn wer bei den Edelmarken einen elektrischen Sportwagen bestellt, muss deutlich mehr Budget einplanen als die 60- bis 70’000 Franken für einen MG Cyberster. Vergleichbar sind in Preis und Leistung Tesla Y oder Ford Mustang Mach-E, aber das sind eben keine Roadster, sondern SUV-Derivate. So steht der MG ziemlich einzigartig da.

Einzig, nicht artig sind die ungewöhnlichen Scherentüren, die nach oben aufklappen und in engen Parklücken nicht anecken können. Optisch erinnert der MG vorn an diverse Sportwagen, da steckt ein bisschen Corvette genauso drin wie MX-5. Nur beim Kühlergrill scheiden sich die Geister, denn die braucht der Cyberster nicht wirklich bei seinem E-Antrieb. Da sieht der ehrenwerte MG A auf einmal sehr klassisch aus – aus heutiger Sicht. Als er 1955 auf den Markt kam – seine Leinwand-Premiere feierte er erst 1959 beim Edgar-Wallace-Streifen «Der Frosch mit der Maske» – war der MG A mit seiner langen Motorhaube und den geschwungenen Kotflügeln ums wohlproportionierte Heck eine genauso scharfe Angelegenheit wie der Cyberster heute. Ein ungewöhnlicher Name übrigens, die Wortkreuzung aus Cyber und Roadster. Das passt bestens zum Anspruch, altes Roadster-Design mit digital-elektrischer Modernität zu paaren. Mehr Technik braucht mehr Platz, das sieht man nicht nur an der Länge, sondern vor allem an der Breite, wenn der Cyberster hinter dem MG A zum Überholen ansetzt – da treffen sich wirklich zwei Welten, die 65 Jahre auseinanderliegen.

Publireportage Hommage unter StromDie fühlen sich natürlich unterschiedlich an. MG-Liebhaber Hans-Jörg Bolt muss bei seinem 1959er MG A die Tür mit dem richtigen Schwung zuwerfen, damit sie einrastet, den Zündschlüssel drehen und den ersten von vier Gängen einlegen. Im Cyberster gleiten die elektrischen Türen wie von selbst ins Schloss, ein Startknopf aktiviert die Technik, der 1-Gang-Automat übernimmt den Rest. Und während der Vierzylinder im MG A kernig seine Arbeit aufnimmt, huscht der Enkel katzengleich leise aber blitzschnell davon. Tauschen? «Niemals», sagt Bolt, «aber je nach Wetter beide zur Wahl, wäre eine Option.» Vielleicht sagt das in 60 Jahren auch ein Cyberster-Besitzer zur nächsten Roadster-Generation – die dann vielleicht schwebend daherkommt.

 

 

 

 

 

Baujahr 2024
Motor 2 E-Motoren (PSM)
Leistung 510 PS
Drehmoment 725 Nm Kraftübertragung 1-Gang-Automat, Allradantrieb
Länge/Breite/Höhe 4353/1913/1329 mm
Gewicht 1985 kg (leer) Verbrauch 18,7 kWh/100 km
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h in 3,2 s Reichweite bis 443 km
Preis 67’990 CHF + Metallic-Lackierung (2025)